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WELCHES TOILETTENPAPIER UND WELCHE KÜCHENROLLE SIND WIRKLICH SCHADSTOFFARM?

vor 16 Stunden
8 Min. Lesezeit

Weißes Klopapier kommt bei uns schon lange nicht mehr in den Einkaufswagen.  Zum einen wegen der Chlorbleiche, zum anderen, weil dafür frisches Holz aus Wäldern gebraucht wird. Gut für den Wald, gut für uns.

Dann las ich, dass im Altpapier auch Kassenbons landen. Und mit ihnen Bisphenole. Genau die Stoffe, wegen denen ich Kassenzettel nur noch mit spitzen Fingern anfasse. Sie stecken im Klopapier genauso wie in der Küchenrolle, denn beide entstehen aus denselben Fasern. Bei der Küchenrolle denke ich an alles, was wir darauf abtropfen lassen. Beim Klopapier an die empfindliche Haut, mit der es jeden Tag in Kontakt kommt.

Als mir dann ein Reel Bambus-Klopapier als saubere Lösung verkaufte, wollte ich es genau wissen. Ich habe mir die aktuellen Tests, Studien zu Bisphenolen und PFAS und die Angaben der Hersteller angeschaut. Alles hier ist recherchiert und belegt.


Einkaufswagen voller weißer Toilettenpapierrollen im Freien

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KURZ & KNAPP  (Stand Oktober 2026)


Toilettenpapier ganz ohne Schadstoffe gibt es nicht, aber du kannst die wichtigsten vermeiden. Fürs Klo eignet sich ungebleichtes Papier aus Bambus mit FSC 100 % oder aus Getränkekarton-Fasern. Ist dir die Umwelt wichtiger, nimm Recycling mit Blauem Engel. In der Küche lohnen sich zwei Rollen. Recycling zum Putzen (falls du keine Baumwolllappen nutzt ) und ungebleichte Frischfaser für alles, was Lebensmittel berührt, denn Recyclingrollen geben laut Öko-Test deutlich mehr Bisphenole ab.


WELCHE SCHADSTOFFE STECKEN IN TOILETTENPAPIER UND KÜCHENROLLE ?


Das perfekte Papier gibt es nicht. Jede Sorte hat ihre eigene Schwachstelle. Recycling mit Blauem Engel schont Ressourcen, Bambus mit FSC kommt ohne gefällte Bäume aus, und bei Küchenrolle ist wichtig, dass kein Thermopapier drinsteckt. Welche Sorte für dich passt, hängt davon ab, was dir am wichtigsten ist.

Bei Hygienepapier geht es um drei Stoffgruppen. Jede hat eine andere Quelle. Deshalb löst auch kein einzelnes Papier alle drei Probleme.

  • Bisphenole

Bisphenol A (BPA) und sein Ersatzstoff Bisphenol S (BPS) stecken in Thermopapier, also in Kassenbons. BPA ist in der EU als reproduktionstoxisch eingestuft. Landen Bons im Altpapier, wandern die Stoffe über das Recycling in neue Papierprodukte. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb, Kassenzettel in den Restmüll zu werfen.

Was davon im Alltag ankommt, zeigt der Öko-Test 8/2025. Das Labor fand BPA und BPS in fast allen 21 Küchenrollen. Bei Kontakt mit fettigem Essen ging aus Recyclingrollen deutlich mehr über als aus Rollen ohne Altpapier. Das Szenario war streng, trotzdem raten die Tester zur Vorsicht.

  • Chlorbleiche

Reines Chlorgas wird in Europa kaum noch eingesetzt. Heute gibt es drei Varianten.

1. ECF (elementar chlorfrei) bleicht mit Chlordioxid. Das ist der Standard bei weißem Frischfaserpapier. Chlorverbindungen sind also weiterhin im Spiel.

2. TCF (total chlorfrei) bleicht mit Sauerstoff, Ozon oder Wasserstoffperoxid. Ganz ohne Chlor, bei Klopapier aber selten zu finden.

3. Ungebleicht heißt ohne Bleiche. Das Papier ist beige bis bräunlich. Das ist die einzige Variante, bei der du sicher sein kannst.

Faustregel: Weiß und „chlorfrei“ bedeutet TCF. Weiß ohne Angabe bedeutet meist ECF. Beige bedeutet ungebleicht.

  • PFAS

Die „Ewigkeitschemikalien“ tauchen auch in Klopapier auf. Eine Studie der University of Florida (2023) fand sie in Papieren aus Europa, Amerika und Afrika, egal ob recycelt oder aus Frischfaser. Bambus wurde nicht getestet. Die Mengen waren sehr gering, das ist kein Grund zur Panik. Eine PFAS-Garantie gibt es hier allerdings nicht.



RECYCLING, BAMBUS ODER FRISCHFASER IM VERGLEICH


Keine Sorte gewinnt in allen Punkten. Ungebleichte Frischfaser ist bei Schadstoffen vorne, Recycling bei der Umwelt.


Recycling mit Blauem Engel

  • Spricht dafür: beste Umweltbilanz, halogenierte Bleiche verboten, günstig.

  • Spricht dagegen: im Vergleich am meisten Bisphenole, PFAS nachgewiesen.

  • Passt für: Klopapier und Küchenrolle zum Putzen.


Bambus, ungebleicht, FSC 100 %

  • Spricht dafür: kaum Bisphenole, kein Chlor, kein Baum wird gefällt.

  • Spricht dagegen: meist Zellstoff aus China, Etikettenschwindel möglich, in einigen Marken PFAS-Hinweise.

  • Passt für: Klopapier und Küchenrolle zum Abtropfen, wenn dir Schadstoffe und Wald am wichtigsten sind.


Zellstoff, ungebleicht oder TCF

  • Spricht dafür: kaum Bisphenole, kein Chlor.

  • Spricht dagegen: frisches Holz aus Wäldern, PFAS nachgewiesen, bei Klopapier selten zu finden.

  • Passt für: Küchenrolle mit Kontakt zu Lebensmitteln.


Weiß, ECF (Zellstoff oder Bambus)

  • Spricht dafür: kaum Bisphenole, überall erhältlich.

  • Spricht dagegen: mit Chlordioxid gebleicht, PFAS nachgewiesen, frisches Holz.

  • Passt für: Küchenrolle zum Abtropfen, wenn nichts Ungebleichtes da ist.


Zwei Dinge fallen auf. Weißer Bambus ist beim Chlor nicht besser als normales weißes Klopapier. Und gegen PFAS hilft dir keine Sorte zuverlässig.



IST BAMBUS-TOILETTENPAPIER WIRKLICH BESSER?


Bambus kann eine gute Wahl sein. Aber nur, wenn wirklich Bambus drin ist und das Papier ungebleicht ist.

  • Etikettenschwindel

Das britische Verbrauchermagazin Which? ließ 2023 fünf Marken mit „100 % Bambus“ im Labor prüfen. Drei davon bestanden hauptsächlich aus Eukalyptus- und Akazienholz, eine enthielt nur 2,7 % Bambus. Echter Bambus war dagegen die Cheeky Panda, die es auch bei uns gibt. Der FSC hat daraufhin einen Lieferanten suspendiert und stieß auf falsch gekennzeichnete Ware.

  • Warum das auch deutsche Marken betrifft

Die getesteten Marken waren britisch. Das Problem sitzt aber nicht im Regal, sondern in der Lieferkette. Fast der gesamte Bambus-Zellstoff kommt aus China, auch für Marken, die ihr Papier in Deutschland rollen. „Made in Germany“ heißt hier nur, wo gerollt wird, nicht woher die Faser stammt. Und das FSC-Siegel allein hat den Schwindel nicht verhindert. Frag deshalb nach, ob die Marke ihre Fasern im Labor prüfen lässt. Die Standardmethode heißt TAPPI T 401.

  • PFAS auch im Bambus

Ein US-Screening der Plattform Mamavation fand Hinweise auf PFAS in fünf von 23 Klopapieren, drei davon aus Bambus. Getestet wurden US-Produkte, die Werte deuten eher auf Verunreinigung hin. Bambus ist also nicht automatisch PFAS-frei.

  • Weißer Bambus ist gebleicht

Cheeky Panda schreibt selbst, dass das weiße Papier mit Chlordioxid aufgehellt wird, also nach ECF. Wenn du Chlor vermeiden willst, greif zur beigen Variante.

  • Werbeversprechen

„Ohne Chemikalien“ stimmt nicht. Bambus wird genau wie Holz chemisch zu Zellstoff gekocht. Ungebleicht spart nur den Bleichschritt. Auch die Aussage, PFAS kämen vor allem aus der Bleiche, konnte ich in keiner Studie finden. Die Forschenden aus Florida verorten sie in der Zellstoffherstellung.

  • Wie nachhaltig ist Bambus?

Besser als Frischholz, schlechter als Recycling. So fasst die US-Umweltorganisation NRDC in ihrem Klopapier-Ranking von 2025 mehrere Ökobilanzen zusammen. Bambus braucht deutlich weniger Fläche und verursacht weniger Klimagase als Papier aus Bäumen. Recyclingpapier liegt aber noch einmal klar vorne.

Entscheidend ist, wo der Bambus wächst. Wurde für die Plantage Naturwald gerodet, ist der Vorteil dahin. Genau hier hilft FSC 100 %. Plantagen auf Flächen, die nach Ende 2020 gerodet wurden, bekommen das Siegel in der Regel nicht mehr.

Im Ranking erhielt ungebleichter Bambus mit FSC 100 % ein B+, gebleichter ein B. Recycling landete bei A oder A+, Papier aus Frischholz meist bei D oder F. Öko-Test sieht Bambus trotzdem kritisch, weil auch zertifizierter Bambus eigentlich zu schade für ein Wegwerfprodukt ist.

Mein Fazit dazu: Ungebleichter FSC-Bambus ist ein solider Mittelweg. Ein Öko-Sieger ist er nicht.



MEINE EMPFEHLUNGEN


Für keines dieser Produkte gibt es bisher einen unabhängigen Labortest auf Bisphenole oder PFAS. Ich empfehle sie, weil Material, Bleiche und Herkunft nach aktuellem Wissen am besten passen.

Klopapier und Küchentücher aus Bambus von oecolife haben wir selbst gekauft und testen sie gerade bei uns zu Hause. Meine Erfahrungen ergänze ich hier in ein paar Wochen. Die anderen Produkte habe ich anhand von Material, Bleiche, Herkunft und Herstellerangaben ausgewählt.

Küchenrolle ist übrigens anders aufgebaut als Klopapier. Sie enthält Nassfestmittel, damit sie nass nicht zerfällt. Deshalb haben die Marken für beides eigene Produkte.



allnatura Supra-Comfort Naturlatexmatratze mit 7-Zonen-Stützsystem - schadstoffarme Matratze aus 100% Naturlatex

Ungebleichter Bambus aus deutscher Produktion. Die einzige Marke hier, bei der du Klopapier und Küchenrolle aus demselben Material bekommst.

Klopapier: Bambus-Zellstoff, ungebleicht, FSC, gerollt in Miltenberg, ab 0,30 € pro 100 Blatt, 3-lagig, ohne Kolophonium

Küchenrolle: Bambus-Zellstoff, ungebleicht, laut Hersteller für Lebensmittelkontakt geeignet, ca. 1,60 € pro 100 Blatt, 3-lagig



pandoo

allnatura Supra-Comfort Naturlatexmatratze mit 7-Zonen-Stützsystem - schadstoffarme Matratze aus 100% Naturlatex

Bambus mit FSC 100 % von einer Marke aus Konstanz. Statt Küchenrolle aus Papier gibt es hier waschbare Tücher.

Klopapier: Bambus, FSC 100 %, hergestellt in China, ab 0,36 € pro 100 Blatt, 3-lagig, plastikfrei verpackt. Bambusanteil nicht unabhängig geprüft. Waschbare

Tücher: Bambus-Viskose, kommen in die Waschmaschine und ersetzen viele Papierrollen. Zum Wischen und Abtrocknen, nicht zum Abtropfen von Frittiertem.




allnatura Supra-Comfort Naturlatexmatratze mit 7-Zonen-Stützsystem - schadstoffarme Matratze aus 100% Naturlatex

Recycling ohne Kassenbons im Ausgangsmaterial, denn die Fasern stammen aus gebrauchten Getränkekartons. Hergestellt in Italien, eigentlich für Hotels und Büros, aber auch privat über Online-Shops in Großpackungen erhältlich. Klopapier: Blauer Engel, ca. 0,19 € pro 100 Blatt, 2-lagig





Aus der Drogerie

Bambus als Eigenmarke gibt es bei dm, Rossmann und Müller bisher nicht. Die Recycling-Eigenmarken sind aber eine gute, günstige Wahl zum Putzen und fürs Klo, wenn dir die Umwelt am wichtigsten ist.



SO FINDEST DU KÜCHENROLLE UND TOILETTENPAPIER OHNE SCHADSTOFFE


  • Farbe beige oder bräunlich statt strahlend weiß.

  • Bleiche „ungebleicht“ auf der Packung. „Chlorfrei“ allein ist gut, aber noch nicht ungebleicht.

  • Bambus nur mit FSC 100 % und am besten von einer Marke, die ihre Fasern prüfen lässt.

  • Zusätze ohne Parfum, Lotion, Aufdruck und Farbe.

  • Recycling mit Blauem Engel, dann sind optische Aufheller und halogenierte Bleichmittel verboten.

  • Kassenbons gehören in den Restmüll. Das hilft allen, die Recyclingpapier kaufen.




FAZIT


Das perfekte Klopapier gibt es nicht. Klingt erstmal frustrierend, ist aber eigentlich entlastend. Es gibt nämlich auch keine falsche Wahl, nur unterschiedliche Prioritäten.

Wenn du möglichst wenig Schadstoffe willst, nimm ungebleichtes Papier ohne klassisches Altpapier. Also Bambus, Frischzellstoff oder Fasern aus Getränkekartons. Am spannendsten finde ich Lucart EcoNatural, weil es Recycling ist, aber ohne Kassenbons im Ausgangsmaterial. Gemessen hat das zwar noch niemand öffentlich, die Logik überzeugt mich trotzdem. Liegt dir der Wald mehr am Herzen, bist du mit Recycling mit Blauem Engel gut bedient. Der Kontakt auf dem Klo ist zum Glück kurz.

In der Küche mach es dir einfach. Eine Recyclingrolle zum Putzen und eine aus Frischfaser für alles, was später auf dem Teller landet.

Der größte Hebel liegt aber woanders. Kassenbons ablehnen oder in den Restmüll werfen und öfter zum Lappen greifen. Das bringt mehr als jede Rolle.




FAQs

Ist Recycling-Klopapier gesundheitsschädlich?

Nein, nach heutigem Wissen nicht. Es enthält mehr Bisphenole als Frischfaser. Der Hautkontakt ist aber kurz und trocken. Relevanter ist das Thema bei Küchenrolle mit Lebensmitteln.

Nicht automatisch. Es enthält kaum Bisphenole, weil es nicht aus Altpapier besteht. PFAS-Hinweise wurden aber auch in Bambusmarken gefunden, und weißer Bambus ist meist mit Chlordioxid gebleicht.

Nein. In den Kriterien für Hygienepapier muss BPA nur einmal jährlich gemessen werden, zu statistischen Zwecken. Einen festen Höchstwert gibt es nicht.

ECF bleicht mit Chlordioxid, TCF komplett ohne Chlor mit Sauerstoff oder Peroxid. Ungebleichtes Papier kommt ohne beides aus.

Recyclingpapier mit Blauem Engel. Laut Umweltbundesamt spart es gegenüber Frischfaser 78 % Wasser, 68 % Energie und 15 % CO₂.



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