top of page

REGENJACKE OHNE PFAS FÜR KINDER UND ERWACHSENE

vor 13 Minuten
13 Min. Lesezeit

Bei meiner Regenjacke haben sich vor Kurzem die Bänder am Reißverschluss gelöst. Und dicht war sie auch nicht mehr, das Wasser zog einfach in den Stoff ein statt abzuperlen. Über zehn Jahre habe ich die Jacke. Da darf sie das.

Nur brauchte mein Sohn zur selben Zeit auch eine neue für die Kita. Und statt sie wieder schnell im Supermarkt mitzunehmen, habe ich mich vorher hingesetzt und geschaut, wo die Unterschiede liegen. Also habe ich recherchiert, wie das bei mir so ist. Und war ehrlich gesagt positiv überrascht.

Hier ist, was ich dabei gelernt habe. Für Kinder wie für Erwachsene.


Regenjacke ohne PFAS – zwei Kinder springen in Regenkleidung durch eine Pfütze

In diesem Artikel findest Du Empfehlungslinks (Affiliate-Links). Wenn Du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision – als Dankeschön für die Zeit und Arbeit, die wir in unsere Recherchen stecken. Für Dich bleibt der Preis natürlich gleich.




WARUM DIE REGENJACKE OHNE PFAS SCHON WEITGEHEND STANDARD IST


Am 10. Oktober 2026 tritt ein EU-Verbot in Kraft. Die Verordnung 2024/2462 ergänzt die REACH-Verordnung um einen neuen Eintrag und verbietet die PFAS-Untergruppe PFHxA unter anderem in Textilien, Leder und Häuten in Kleidung und Zubehör für die breite Öffentlichkeit, in Lebensmittelkontaktmaterialien, in bestimmten Kosmetika und in Imprägniersprays. Ab dem 10. Oktober 2027 wird es auf weitere Textilien ausgeweitet, die nicht zu Kleidung gehören.

Fangen wir mit dem Positiven an, weil das in solchen Artikeln fast nie passiert.

Die großen Outdoor-Marken haben dieses Problem längst gelöst. Freiwillig, lange bevor ein Verbot sie dazu gezwungen hat. Wer heute im Fachgeschäft eine neue Jacke kauft, muss meistens gar nicht lange suchen. Welche Marken wann umgestellt haben, steht weiter unten.

Das Problem sitzt woanders: bei sehr günstiger Ware aus dem Onlinehandel von außerhalb der EU, bei älteren Modellen und bei Restbeständen.

Ich schreibe das so deutlich, weil ich keine Lust auf Panik habe. Wenn etwas gut läuft, darf man das auch sagen.

Das EU-Verbot gilt nicht für Erzeugnisse, die vor dem Stichtag in Verkehr gebracht wurden. Wer im November im Sale kauft, kauft womöglich genau das, was ab Oktober nicht mehr hergestellt werden darf.

WELCHE SCHADSTOFFE AUSSER PFAS IN REGENJACKEN STECKEN


Und jetzt der Teil, der mich bei der Recherche am meisten überrascht hat. PFAS sind nicht das einzige Thema in einer Regenjacke. Nur das bekannteste.

  • Weichmacher aus PVC. Laut BUND enthält Regenbekleidung aus PVC oft Weichmacher, die während des Tragens ausdünsten und vom Körper aufgenommen werden.

  • Antimon. Ein toxisches Metall, das häufig als Rückstand aus der Polyesterproduktion in Textilien verbleibt. Betrifft also auch die PFAS-freie Polyesterjacke.

  • Schwermetalle. Blei kann schon in geringen Mengen die Gehirnentwicklung von Kindern beeinträchtigen, Nickel ist der häufigste Auslöser von Kontaktallergien in Europa, und bestimmte Chromverbindungen gelten als krebserregend.

  • Lösungsmittel. In einem Damenstiefel wurde das reproduktionstoxische Lösungsmittel Dimethylformamid mit 930 mg/kg nachgewiesen, bei einem Grenzwert von 1.000 mg/kg. Da DMF hochflüchtig ist, deutet ein so hoher Wert im Endprodukt darauf hin, dass in der Produktion erhebliche Mengen eingesetzt wurden.


Diese Werte stammen aus Laboranalysen des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe. Untersucht wurden 18 Produkte von Shein; in 15 davon fanden sich problematische Chemikalien, sieben überschritten geltende Grenzwerte. Von acht auf PFAS geprüften Produkten überschritten sechs die REACH-Grenzwerte, und die massiven Überschreitungen betrafen vor allem Jacken und Outdoorbekleidung, darunter mehrere für Kinder und Jugendliche.


Wichtig zur Einordnung:

Das ist eine Plattform, nicht der ganze Markt. Ich schreibe es trotzdem, weil es zeigt, wo das Problem heute sitzt. Nicht im Fachgeschäft. Im Onlinehandel von außerhalb der EU.

Ein dänischer Test passt dazu. Geprüft wurden 26 Jacken für Kinder und Erwachsene von Amazon, Shein und Temu sowie von Marken wie H&M und Uniqlo; zwölf enthielten verbotene Chemikalien. Die billigste getestete Jacke für etwa 10 Euro von Shein und das teuerste Modell für etwa 50 Euro von Temu enthielten beide illegale PFAS. Unbelastet waren dagegen die Kinderjacken von H&M, Lidl Rocktrail und Name it. Teuer heißt also nicht automatisch sauber, und günstig nicht automatisch belastet.



REGENJACKE MATERIALIEN IM VERGLEICH


Es gibt mehr Möglichkeiten als „Membranjacke oder nichts". Hier die, die es wirklich zu kaufen gibt, mit Vor- und Nachteilen.


PU-Membran

Ceplex bei Vaude, Texapore bei Jack Wolfskin, Powertex bei Salewa, Dermizax bei Ortovox und Bergans. Alle auf Polyurethanbasis, alle ohne PTFE.

  • Spricht dafür: wirklich wasserdicht, atmungsaktiv, leicht, waschmaschinenfest und in jeder Preisklasse zu haben.

  • Spricht dagegen: Kunststoff, beim Waschen löst sich Mikroplastik, und die Imprägnierung muss regelmäßig erneuert werden.

  • Passt für: alle, die eine Jacke für echten Regen suchen und sie oft tragen.


Sympatex

Eine Membran aus Polyester ohne Fluorverbindungen, unter anderem bei Maier Sports.

  • Spricht dafür: wasserdicht, von Anfang an fluorfrei, sortenrein recycelbar.

  • Spricht dagegen: ebenfalls Kunststoff, kleinere Modellauswahl.

  • Passt für: alle, die Wert auf Recyclingfähigkeit legen.


Gore-Tex

Hier musst du genau hinschauen, denn Gore-Tex ist nicht gleich Gore-Tex.

Klassisches Gore-Tex besteht aus ePTFE, und PTFE ist ein PFAS. Es ist derselbe Kunststoff wie in beschichteten Pfannen. Die PFAS-freie Alternative ist die ePE-Membran aus expandiertem Polyethylen, die zur Wintersaison 2023/24 kam. Eine ältere Jacke mit Gore-Tex-Laminat ist also eine PTFE-Jacke, egal welches Markenlogo draufsteht.

Und selbst dann bleibt ein Sternchen: Gore formuliert es als hergestellt ohne absichtlich zugesetzte PFAS, Spuren seien möglich.

  • Spricht dafür: sehr leistungsfähig, breit verfügbar.

  • Spricht dagegen: du musst aktiv nach ePE fragen, sonst landest du bei ePTFE.

  • Passt für: anspruchsvolle Touren, wenn du beim Kauf genau hinschaust.


Gewachste Baumwolle

Bekanntestes Beispiel ist G-1000 von Fjällräven, behandelt mit Greenland Wax.

Hier lohnt ein genauer Blick, weil das gern als Naturlösung verkauft wird. G-1000 besteht zu 65 Prozent aus Polyester und zu 35 Prozent aus Baumwolle. Und Greenland Wax ist aus Paraffin und Bienenwachs hergestellt, was es laut Fjällräven schonender macht als chemische Imprägnierung. Schonender, nicht natürlich.

  • Spricht dafür: extrem robust und langlebig, keine Membran, die kaputtgehen kann.

  • Spricht dagegen: wasserabweisend, nie wasserdicht. Das Wachs wäscht sich nach etwa zwei Wäschen heraus, und Nachwachsen ist ein Abendprojekt.

  • Passt für: Stadt und leichten Regen. Als robuste Alltagsjacke, die zwanzig Jahre hält, sehr wohl. Als Regenjacke im eigentlichen Sinn nicht.


Wenn es wirklich reine Baumwolle sein soll, führt der Weg zu Ventile, einem dicht gewebten Stoff aus 100 Prozent Baumwolle. Die Fasern quellen bei Kontakt mit Wasser auf und schließen die Zwischenräume im Gewebe. Doppellagig gilt das als wasserdicht und atmungsaktiv, ist aber schwer, teuer und in Deutschland kaum zu bekommen.


Naturkautschuk

Vor allem bei Kindersachen und Gummistiefeln verbreitet.

  • Spricht dafür: wirklich wasserdicht, kein PVC, keine ausdünstenden Erdölderivate, einfach abzuspülen.

  • Spricht dagegen: steifer und schwerer, wenig atmungsaktiv bei langem Tragen, bei Latexallergie ungeeignet.

  • Passt für: Kinder im Matsch, kurze Einsätze, Gummistiefel.


Wollwalk

  • Spricht dafür: wärmt auch feucht, atmungsaktiv, schmutzabweisend, muss selten gewaschen werden.

  • Spricht dagegen: nicht wasserdicht, meist keine Waschmaschine, teuer, bei Lanolinallergie ungeeignet.

  • Passt für: den Kita-Alltag im Herbst, als wärmende Schicht unter der Regenschicht.


PVC

Spricht dafür: billig.

Spricht dagegen: alles andere.

Passt für: aus meiner Sicht für nichts.


Kurz zusammengefasst:

Wirklich wasserdicht sind PU-Membranen, Sympatex, Gore-Tex mit ePE-Membran und Naturkautschuk. Nur wasserabweisend, dafür ohne Kunststoffmembran, sind gewachste Baumwolle und Wollwalk. PFAS-frei sind alle sechs, bei Gore-Tex mit dem Vorbehalt der möglichen Spuren.



Handelsnamen, hinter denen eine PU-Membran steckt


Hersteller geben ihren Membranen eigene Namen, und im Laden steht selten dabei, was dahintersteckt. Diese hier basieren auf Polyurethan beziehungsweise Polyester, enthalten also kein PTFE:

  • Ceplex (Vaude)

  • Texapore (Jack Wolfskin)

  • Powertex (Salewa)

  • Dermizax (Toray, unter anderem bei Ortovox, Schöffel und Bergans)

  • Sympatex (Polyester-Membran ohne Fluorverbindungen, recycelbar)

  • DryVent (The North Face)

  • Gore-Tex, aber nur mit dem Zusatz ePE


Wichtig:

Die Membran ist nur die eine Hälfte. Über die Imprägnierung obendrauf sagt keiner dieser Namen etwas. The North Face gibt zu DryVent zum Beispiel an, dass die Aussenseite zusätzlich mit einer DWR-Ausrüstung behandelt wird, ohne zu sagen, welcher Art.


Wassertropfen perlen auf dem Obermaterial einer Regenjacke ab

Und was ist mit der Wassersäule?


Die Wassersäule steht groß auf jedem Etikett. Ab 3.000 Millimeter gilt ein Stoff als wasserdicht. Nur sagt die Zahl weniger, als du denkst. Die Schwachstellen vieler Jacken sind die Nähte, weil beim Nähen die Membran von der Nadel durchstoßen wird.

Achte deshalb auf verschweißte oder getapte Nähte. Das steht kleiner auf dem Etikett und ist wichtiger. Aussagekräftiger als die Wassersäule ist außerdem die Norm EN 343:2019 mit Klassen von 1 bis 4, jeweils für Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität.



REGENJACKE OHNE PFAS FÜR ERWACHSENE


Anders als bei Pfannen kommt es hier selten auf das einzelne Modell an. Die meisten Marken haben komplett umgestellt, nicht produktweise. Wer bei einer dieser Marken kauft, muss also nicht Modell für Modell prüfen.


  • Maier Sports rüstet nach eigenen Angaben seit 2018 alle neu produzierten imprägnierten Jacken und Hosen der gesamten Kollektion zu 100 Prozent PFC-frei aus und setzt grundsätzlich auf Membranen aus Polyester oder Polyurethan.

  • Jack Wolfskin gibt an, dass alle Bekleidungsprodukte seit Frühjahr/Sommer 2019 zu 100 Prozent PFC-frei sind. Die Technologie heißt Texapore und ist PU-basiert.

  • Vaude hat bereits 2010 auf PTFE-freie Membranen umgestellt, die Imprägnierung folgte 2018, die gesamte Bekleidung 2021.

  • Ortovox stellt die gesamte Kollektion seit 2023 komplett ohne PFC her.

  • Patagonia fertigt seit Frühjahr 2025 alle neuen Modelle ohne absichtlich zugesetzte PFAS.

  • Haglöfs hat mit der Kollektion Herbst/Winter 2025 die erste Saison, in der alle neu produzierten wasserdichten Produkte PFAS-frei sind.

  • Deuter stellt seit 2020 ausschließlich Rucksäcke mit PFC-freien Materialien her.

  • Nicht ganz durchgängig sind Rab, nach eigenen Angaben zu 91 Prozent bei Herbst/Winter 2024, und Mammut, das seit 2015 auf C8-PFC verzichtet und im Sommer 2022 bei 85 Prozent lag. Das erklärte Ziel waren 100 Prozent bis 2025. Ob es erreicht wurde, steht auf der Herstellerseite nicht.

  • Bei Schöffel lohnt das Kleingedruckte: Die Kollektionen seien frei von PFC, Produkte mit Gore-Tex aber nur frei von ökologisch bedenklichen PFC. Das ist die schwächere Aussage, und sie steht genau dort, wo Gore-Tex im Spiel ist.


Und welche Siegel helfen?


Weil PFAS nicht deklariert werden müssen, sind Siegel der praktischste Behelf. Zwei helfen konkret, und beide erst seit Kurzem.

  • bluesign. Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Artikel mit der Kennzeichnung bluesign APPROVED oder bluesign PRODUCT ohne den absichtlichen Einsatz von PFAS hergestellt werden.

    Die beiden Labels bedeuten aber nicht dasselbe. APPROVED bezieht sich nur auf einzelne Komponenten, etwa den Oberstoff. PRODUCT bezieht sich auf das fertige Kleidungsstück und setzt voraus, dass mindestens 90 Prozent des Gewebes und mindestens 30 Prozent des Zubehörs APPROVED sind. Für dich ist also PRODUCT die aussagekräftigere Angabe.

    Verwirrend wird es gerade zusätzlich, weil bluesign die Namen umstellt: PRODUCT heißt künftig bluepass Consumer Product, APPROVED wird zu bluepass Article. Die alten Labels bleiben gültig, die Umstellung läuft über 2026.

  • OEKO-TEX Standard 100: Im Januar 2024 kam ein Grenzwert für die Gesamtheit aller Fluorverbindungen dazu, der eine absichtliche Verwendung ebenfalls ausschließt.


Achte dabei auf die Jahreszahlen. Eine ältere Jacke mit demselben Siegel sagt über PFAS nichts aus, weil es die Anforderung damals noch nicht gab.



REGENKLEIDUNG FÜR KINDER OHNE SCHADSTOFFE


Bei Kindersachen wird es schlechter, nicht besser, weil hier viel über Modeketten, Discounter und Marktplätze gekauft wird. Und es geht nicht nur darum, ob PFAS drin sind, sondern welches Material zu welcher Situation passt. Da gibt es mehr als Polyester.


Kind in einem Wollwalk-Overall beim Spielen im Herbstlaub

Wollwalk

Verfilzte Schurwolle, meist Merinowolle. Klassiker sind Disana, dazu Ehrenkind, Mikk-line und kleinere Manufakturen.

Wollwalk ist wasserabweisend, aber nicht wasserdicht. Bei leichtem Nieselregen perlen die Tropfen ab und das Wollfett Lanolin schützt eine Weile, bei längerem Regen dringt Feuchtigkeit durch. Der Vorteil: Wolle nimmt bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen, und wärmt auch im feuchten Zustand weiter. Lässt die wasserabweisende Wirkung nach, kannst du den Walk mit einer Lanolin-Kur behandeln.

Dafür: temperaturausgleichend, hält warm bei Kälte und verhindert Überhitzen bei milderen Temperaturen, geeignet etwa von minus zehn bis plus fünfzehn Grad. Dazu schmutzunempfindlich und robust. Disana empfiehlt, den Overall meist nur zu lüften und nur im Ausnahmefall kalt von Hand zu waschen, was im Alltag viele Wäschen spart. Großzügig geschnitten, hält oft mehrere Saisons.

Dagegen: Bei Dauerregen und auf dem Matschspielplatz reicht er nicht, dann gehört eine Regenschicht darüber. Meist keine Waschmaschine. Vergleichsweise teuer. Und der wichtigste Punkt: Menschen mit einer Lanolin- oder Lanolinalkohol-Allergie sollten Produkte aus Schafwolle meiden.

Zertifikate: Der Disana-Overall ist laut Hersteller GOTS-zertifiziert und trägt IVN Best, das strengste Siegel für Naturtextilien; die Mikk-line-Jacke ist nach OEKO-TEX Standard 100 zertifiziert.


Im Winter funktioniert Wollwalk auch bei Schnee, solange der trocken und kalt ist. Bei nassem Schnee über null Grad braucht es eine Schicht darüber. Achte außerdem auf zwei Details, die in keiner Produktbeschreibung stehen: ein verlängertes Rückenteil, damit unten kein Wind hineinzieht, und Stulpen über den Ärmelbündchen, weil die sich sonst vollsaugen.


Naturkautschuk

Die Serie Räuberwald von BMS, geführt bei Hans Natur, wird auf Basis eines hohen Anteils an Naturkautschuk hergestellt und ist nach Öko-Tex 100 für die Produktklasse 1 zertifiziert - der Klasse mit den strengsten Prüfkriterien, die Textilien für Babys und Kleinkinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr umfasst.

Dafür: wirklich wasserdicht, kein PVC, keine ausdünstenden Erdölderivate, einfach abzuspülen.

Dagegen: steifer und schwerer als beschichtetes Polyester, bei Latexallergie ungeeignet.

Bei Gummistiefeln gilt dasselbe. Synthetischer Kautschuk wird auf Erdölbasis hergestellt; besser ist Naturkautschuk, der länger hält und luftdurchlässig ist.



PU-beschichtetes Polyester

Der Standard bei Reima, CeLaVi, Didriksons und Trollkids. Von Vaude gibt es Kinder-Regenjacken mit dem EcoFinish-Label, also ohne Fluorcarbone hergestellt und dennoch wasserfest, zum Beispiel Hylax und Escape Light III.

Dafür: wasserdicht, leicht, günstig, in die Waschmaschine, riesige Auswahl.

Dagegen: Kunststoff mit Mikroplastik beim Waschen. Und Antimon-Rückstände aus der Polyesterherstellung.



Matschhose ohne PVC

Viele Matschhosen bestehen aus PVC. PVC ist von sich aus hart und wird erst durch Weichmacher biegsam. Der BUND empfiehlt in seinem Ratgeber für PVC-freie Kindergärten, dass Matschhosen und Gummistiefel nie auf nackter Haut getragen werden sollten.

Erkennen kannst du PVC an der Bezeichnung Vinyl und am typischen stechenden Geruch. Die Alternativen sind PU-beschichtete Modelle oder Naturkautschuk.

Ein Hinweis zur Materialangabe: Die Begriffe PVC, Vinyl und PU werden im Handel nicht immer sauber getrennt, und die Beschichtung ist häufig eine Mischung aus beidem. „Enthält PU" ist also keine Aussage darüber, dass kein PVC drin ist. Entscheidend ist, ob PVC in der Liste steht.

Also: lange Sachen drunter, und beim nächsten Kauf auf PU oder Kautschuk achten. Kein Grund, die Hose heute wegzuwerfen.


Und die Matschsachen aus dem Supermarkt?


Besser als ihr Ruf. Bei einer Lupilu-Matschjacke von Lidl steht die Materialangabe direkt in der Produktbeschreibung: 100 Prozent Polyester, mit Polyurethan beschichtet. Also PU, nicht PVC. Ein Aldi-Regenanzug für 16,99 Euro war mit Teflon EcoElite ausgerüstet, trotz des Namens eine fluorfreie Imprägnierung auf überwiegend pflanzlicher Basis.

Am ausführlichsten dazu äußert sich Tchibo. Die Kinder-Regenkleidung ist dort mit ecorepel imprägniert, laut Hersteller frei von Fluorcarbonen und biologisch abbaubar. Außerdem gibt Tchibo an, die Gewebe auf Schadstofffreiheit von externen, akkreditierten Prüfinstituten testen zu lassen.

Einschränkung: Alle drei Angaben betreffen die Imprägnierung oder das Obermaterial, nicht zwingend die Beschichtung darunter. Und das Sortiment wechselt jede Saison. Vor dem Kauf lohnt deshalb der Blick in die Materialangabe.



Die eigentliche Antwort heißt Schichten

Das ist das, was ich beim Recherchieren gelernt habe und was in keinem Shop steht, weil jeder nur seine Hälfte verkauft.

Es gibt kein Material, das alles kann. Wollwalk wärmt und atmet, hält aber keinen Dauerregen. Beschichtetes Polyester hält jeden Regen, wärmt aber nicht und atmet schlechter. Kautschuk ist dicht, aber steif.

Die Kombination löst es. Wollwalk oder Wolle als wärmende Schicht, darüber bei echtem Regen Matschhose und Regenjacke. Für Kinder, die schon laufen und im nassen Sandkasten oder in Pfützen spielen, reicht ein reiner Walkoverall häufig nicht aus. Für den Kindergartenalltag im Herbst reicht Walk dagegen meistens allein.

Das ist übrigens auch die günstigere Lösung, weil die Wollschicht mehrere Jahre passt und die Regenschicht die Verschleißteile abbekommt.



REGENJACKE IMPRÄGNIEREN OHNE PFAS


Weil fluorfreie Imprägnierung schneller nachlässt als die alte fluorhaltige, entscheidet die Pflege darüber, ob deine Jacke drei Jahre hält oder zehn.


Was die Imprägnierung wirklich macht

Ein Punkt, den ich vorher falsch verstanden hatte. Der Abperleffekt auf der Aussenseite hat mit der Wasserdichtigkeit nichts zu tun. Das Bergmagazin Alpin bringt es in seinem Hardshell-Test 2024 auf den Punkt: Selbst wenn der Oberstoff Wasser aufsaugt wie ein Schwamm, kann die Jacke noch dicht sein. Sie trägt sich nur nicht mehr angenehm, fühlt sich innen kalt an, was viele mit nass verwechseln, wird schwer, und vor allem sinkt der Wasserdampfdurchgang massiv.

Heißt für dich: Wenn deine Jacke nicht mehr abperlt, ist sie nicht kaputt. Sie atmet nur schlechter. Nachimprägnieren lohnt sich trotzdem, nur aus einem anderen Grund als gedacht.


Die Pflege selbst

  • Kein Weichspüler. Er legt sich als Film über Fasern und Membranporen und zerstört den Abperleffekt zuverlässiger als jeder andere Fehler.

  • Kein Waschpulver. Ungelöste Reste lagern sich in den Poren ab. Flüssiges Funktionswaschmittel nehmen.

  • Nach dem Waschen Wärme. Kurz in den Trockner auf niedriger Stufe oder mit dem Bügeleisen unter einem Schutztuch, je nach Pflegeetikett. Das reaktiviert die vorhandene Imprägnierung. Oft musst du danach gar nicht nachimprägnieren.

  • Erst dann zum Imprägniermittel greifen. Ob Spray oder Einwaschmittel: Achte auf „fluorfrei", „PFC-frei" oder „PFAS-frei". Laut Stiftung Warentest trifft das bei den Sprays zum Beispiel auf Holmenkol Natural Proof und Toko Eco Proof Textile zu, bei den Einwaschmitteln auf Bionicdry und Nikwax TX.Direct.

  • Lieber Einwaschen als Sprühen. Bei Sprays entsteht feiner Sprühnebel, der bis in die Lunge gelangen kann. Wenn du sprühst, dann draußen oder am offenen Fenster.

  • Wollwalk pflegt sich anders. Nicht waschen, sondern auslüften und Flecken ausbürsten. Statt Imprägniermittel eine Lanolin-Kur.


Und sonst?

Die nachhaltigste Regenjacke ohne PFAS ist die, die du schon hast. Wenn deine noch dicht ist, wirf sie nicht wegen dieses Artikels weg. Wasch sie richtig, reaktiviere die Imprägnierung, imprägnier nach, und triff beim nächsten Kauf die bessere Entscheidung.

Die Verbraucherzentrale sieht das genauso: Vorhandenes Equipment durch neues, nachhaltigeres zu ersetzen, ist ökologisch nicht sinnvoll, weil Abfall entsteht und Ressourcen verbraucht werden. Und wer eine Funktionsjacke nur zweimal im Jahr braucht, kann sie sich auch in der Familie oder im Freundeskreis ausleihen.

Meine hat zehn Jahre gehalten. Bei der neuen achte ich auf drei Dinge mehr als damals: auf den Hängeanhänger, auf die Nähte und auf die Reißverschlüsse.

Und die alte? Die trage ich jetzt im Garten.




FAQs

Welche Regenjacken sind PFAS-frei?

Komplett umgestellt haben unter anderem Maier Sports (seit 2018), Jack Wolfskin (seit 2019), Vaude (Bekleidung seit 2021), Ortovox (seit 2023), Patagonia (neue Modelle seit Frühjahr 2025) und Haglöfs (wasserdichte Produkte seit Herbst/Winter 2025). Bei Salewa sind es die meisten Hardshells mit Powertex, bei Rab und Mammut noch nicht alle Modelle. Bei Gore-Tex ist nur die ePE-Membran PFAS-frei, nicht das klassische ePTFE.

Wasserdicht sind PU-Membranen wie Ceplex, Texapore oder Powertex, die Polyester-Membran Sympatex, Gore-Tex mit ePE-Membran sowie Naturkautschuk. Nur wasserabweisend, dafür ohne Kunststoffmembran, sind gewachste Baumwolle und Wollwalk.

Klassisches Gore-Tex besteht aus ePTFE und damit aus einem PFAS. Die ePE-Membran aus expandiertem Polyethylen ist die PFAS-freie Variante und kam zur Wintersaison 2023/24 auf den Markt. Gore selbst formuliert es als hergestellt ohne absichtlich zugesetzte PFAS, Spuren seien möglich.

Wollwalk ist verfilzte Schurwolle, meist Merinowolle. Durch das Walken wird das Gewebe dicht, robust, wind- und wasserabweisend und bleibt dabei atmungsaktiv. Das enthaltene Wollfett Lanolin sorgt dafür, dass leichter Regen abperlt. Wasserdicht ist Wollwalk nicht.

Beides, aber für unterschiedliche Situationen. Wollwalk wärmt, atmet und reicht für den normalen Herbstalltag. Bei Dauerregen und Matsch braucht es zusätzlich eine wasserdichte Schicht. Die Kombination aus Wollschicht und Regenschicht ist praktischer als der Versuch, ein Material für alles zu finden.

PFC ist der ältere Sammelbegriff für perfluorierte Chemikalien und eine Untergruppe der PFAS. In der Outdoor-Branche werden beide Angaben heute meist gleichbedeutend verwendet. Beide sind aussagekräftiger als PFOA-frei, das sich nur auf ein einzelnes Molekül bezieht.



QUELLEN:



Kommentare


bottom of page